TERRIER PITBULL

Der Pitbull

pitbull terrier

 

Die Hunderasse Pitbull  gibt es eigentlich nicht.

Meistens ist es unklar, was mit dem Begriff Pitbull gemeint ist, denn die Rasse Pitbull gibt es nicht. Man verwendet Pitbull oft als Abkürzung für American Pit Bull Terrier, auch wenn damit meistens der American Staffordshire Terrier gemeint ist. Medien verwenden Pitbull oft als Synonym für Kampfhund und in den USA verwendet man Pitbull als Überbegriff für einen Hund dieser 5 Rassen (oder eine Kreuzung daraus):

 

  • American Bully
  • American Pit Bull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • American Bulldog
  • Staffordshire Bull Terrier
Hulk

Hulk - ein American Bully

Stern schrieb zum Beispiel: Hulk, der größte Pitbull der Welt, 80 kg. Hulk ist ein American Bully, kein American Pit Bull Terrier.

American Pit Bull Terrier

Dieser Artikel widmet sich dem American Pit Bull Terrier, der  „gefährlichsten Hunderasse der Welt“. In den Medien wird der Begriff Pitbull als Synonym für Kamphund verwendet, wenn die Schlagzeile besonders dramatisch klingen soll. „Pitbull beißt Kind tot“, auch wenn es gar kein American Pit Bull Terrier war.

Ursprung der Bull & Terrier Rassen

Eines haben die 5 Pit Bulls gemeinsam: ihre Ursprünge liegen im frühen 19. Jahrhundert in der Kreuzung zwischen Englischer Bulldogge des alten Typs mit Terriern. Bull & Terrier genannt. Man wollte einen Hund, der als Kämpfer in den Arenen gut geeignet war: Stark, mutig, schnell und ausdauernd, hart im Nehmen und loyal bis an sein Ende, aber gutmütig zu seinen Menschen. Damals wurden diese Hunde als Wach- und Jagdhunde eingesetzt, aber auch fürs Bull Baiting und Bear Baiting sowie Hundekampf. Dabei wird ein Bulle oder Bär angekettet und die Hunde auf ihn gehetzt. Beim Bull Baiting soll das Fleisch der Stiere durch das Adrenalin zarter geworden sein, Bear Baiting diente lediglich der Belustigung der Menschen. Die Tradition der Hundekämpfe geht bis in die Antike zurück. Hunde mussten gegen Bullen, Bären, andere Hunde und sonstige Kreaturen kämpfen.

Zum ursprünglichen Bull & Terrier kam dann das Wort Pit dazu. Pit = Kampfring. Von daher ist Pitbull als Synonym für Kampfhunde aus Bulldogge und Terrier nachvollziehbar. 1835 wurden Tiekämpfe im Rahmen des Tieraquälereigesetzes in England verboten, Hundekämpfe waren aber weit verbreitet und fanden weiterhin im Untergrund statt und damit die Zucht von bullartigen Terriern, die damals die unterschiedlichsten Aussehen und Größen hatten.

American Bulldog

American Bulldog

Colby

ursprünglicher American Pit Bull Terrier

John P. Colby und einer seiner Kampfhunde
pete

die kleinen Strolche

American Pit Bull Terrier und American Staffordshire Terrier

Auswanderer nahmen ihre Hunde nach Amerika mit und einer von ihnen, John P. Colby gilt als Urvater des American Pit Bull Terriers, wie er heute aussieht. Zuchtziel seiner Kampfhunde war Leistung im Kampf. Der American Pit Bull Terrier entstand, war allerdings als eigene Rasse nur vom UKC (United Kennel Club) anerkannt. Der United Kennel Club wurde 1898 gegründet und war Veranstalter von professionellen Hundekämpfen. 1900 wurde der Hundekampf in den gesamten USA verboten, findet aber bis heute illegal leider überall statt. Die ADBA (American Dog Breeders Association) wurde 1909 gegründet und die Colby Dogs wurden dort registriert. Jeder konnte seine Colby-Hunde und Würfe dort registrieren. Der Pitbull hatte wegen seiner tollen Eigenschaften viele Freunde, die den Hundekampf ablehnten und so wurde der Ruf laut, eine Showlinie als Familienhund zu züchten. Der Pitbull war sehr beliebt in den USA, der Mut des Pit Bull war Ansporn für die Kampfkraft der amerikanischen Truppen im 1. Weltkrieg. Selbst US-Präsident Theodore Roosevelt zeigten sich mit Pit Bull. In den Kinos lief zwischen 1922 und 1944 „Die kleinen Strolche“ in 220 Folgen. Eine Kinder-Gang mit Hund. Der Hund war der Behüter und Beschützer, Spielkamerad und Seelentröster der Kinder. Dieser Hund war ein Pit Bull. Er sollte später der erste Hund werden, der für die neue Hunderasse „Staffordshire Terrier“ beim American Kennel Club (AKC) registriert wird.

Der Amstaff

Der AKC hat auf einer Namensänderung bestanden, um eine klare Grenze zur Kampfhundeszene zu ziehen und der erste Standard wurde 1936 veröffentlicht. Es wurden Kriterien zu Aussehen und Wesensstärke festgelegt. 1972 gab es die zweite Namensänderung in „American Staffordshire Terrier“, um sich vom britischen Verwandten abzugrenzen. Der American Staffordshire Terrier (auch Amstaff genannt) ist auch vom FCI als Rasse anerkannt. (Der American Pit Bull Terrier, also die Leistungslinie nicht). Der American Staffordshire Terrier und der American Pit Bull Terrier sind genetisch ident.

Der Amstaff ist heute etwas größer und kräftiger als der ursprüngliche American Pit Bull Terrier und hat seinen Aufgabenbereich als Arbeitshund auf Farmen, Sporthund und Familienhund.

Amstaff

American Staffordshire Terrier

American Pit Bull Terrier

Die ADBA setzte 1976 einen Standard für den American Pit Bull Terrier fest, der sich vom Standard des AKC für den Amstaff unterscheidet und zwar sollen die hunderte Jahre alten Ideale Intelligenz, Charakter, Loyalität und Athletik als Zuchtstandard gelten. Man wollte, dass die Rasse so erhalten bleibt, wie sie ursprünglich gedacht war. Man distanziert sich heute vom Hundekampf, glaubt aber, dass die Geschichte der Rasse wichtig ist. Die Mission der ADBA heute ist es,  die positiven Aspekte des American Pit Bull Terriers zu promoten.  Sie ist Veranstalter von Erziehungskursen, Wettkämpfe und Ausstellungen. Wettkampfdisziplin ist etwa weight pull, also das Ziehen von Lasten.

weightpull

weightpull

 

Steckbrief:

A

Größe: mittel

A

Gewicht: 18- 32 kg

A

Lebenserwartung: 11-12 Jahre

A

Typische Krankheiten: keine

A

Körperbau: muskulös, aber athletisch

A

Fell: kurz, alle Farben

A

Charakter:

aufmerksam, selbstbewusst, mutig, lernbereit, menschenfreundlich, kinderlieb, zielstrebig, verspielt, erhöhter Schutztrieb, verminderte Toleranz gegenüber anderen Hunden, Jagd- und Beutetrieb, lernbereit
A

Verwendung:

Schutzhund, Wachhund, Begleithund, Familienhund, in den USA auch Jagdhund und Farmhund, Therapiehund, Polizeihund

Was bedeuten nun diese Eigenschaften für die Haltung eines Pittys?

Der Jagdtrieb, das Temperament des Terriers, der Schutztrieb gepaart mit Kraft und Beißkraft bedeutet für den Halter eine besondere Verantwortung. Pit Bulls müssen von Anfang an bestens sozialisiert und erzogen werden. Das heißt, sie sollen schon beim Züchter in der Prägephase mit Kindern, mehreren Menschen und am besten auch mit anderen Tieren (Katzen) in Kontakt kommen. Illegal importierten Welpen aus fragwürdigen Zuchten, wo die Welpen in Verschlägen oder Kellern ohne menschliche Interaktion gezüchtet werden, haben schon mal schlechte Karten.

Pit Bulls lieben ihre Menschen, sie lieben Kinder und sind auch wegen ihrer Schmerzunempfindlichkeit für Kinder geeignet. Ihre Englischen Verwandten, die Staffordshire Bullterrier, werden auch Nanny Dogs genannt, weil sie zuverlässige und geduldige Spielkameraden für Kinder sind. American Pit Bull Terrier verteidigen ihre Menschen auch ohne zu Zögern. Deshalb müssen Pittys von Anfang an lernen, dass andere Menschen per se keine Bedrohung für ihre Menschen sind. Deswegen ist die Sozialisation so wichtig. Die Welpen lernen den Umgang mit anderen Menschen. Was die Erziehung betrifft, so muss der Pit Bull wissen, dass er der letzte in der Rangordnung ist. Bei Schwäche seiner Besitzer übernimmt er das Kommando. Wenn das passiert und der Hund nicht folgt, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Die Rasse ist aber sehr lernwillig und loyal und möchte auch gefordert und beschäftigt werden. Regelmäßiges Training ist ein Muss für die ganze Familie, dann hat man den tollsten Familienhund. Ein Pit Bull ist bestens geeignet für Hundesport aller Art und ist sicher nicht die richtige Rasse für inaktive Menschen, die eigentlich gar keine Zeit für einen Hund haben. Was Sozialisation und Erziehung betrifft, gilt für alle Hunde. Alle Welpen sollen mit ihren Herrln einen Welpenkurs besuchen. Nicht nur die Hunde lernen dort die Grundkommandos und haben Kontakt zu anderen Hunden, auch die Hundeführer lernen viel über die Verhaltensweisen und Körpersprache der Hunde und einer gelungenen Kommunikation mit ihnen steht so nichts mehr im Wege. Besonders wichtig ist dieser Kontakt mit anderen Hunden aber für Pit Bull Welpen und in weiterer Folge das Training des Gehorsams, denn besonders Rüden können anderen Hunden gegenüber stark dominant und aggressiv auftreten. Das manifestiert sich in etwa im Alter von zwei Jahren und dieses Verhalten ist schwer korrigierbar oder kontrollierbar, wenn man die frühe Erziehung nicht Ernst genommen hat.

Ist der Pit Bull also das blutrünstige Monster, wie es uns die Medien manchmal vermitteln?

Nein! Aber sie haben ein paar Veranlagungen und den Körperbau, gefährlich zu werden. Wenn es zu einem Beißzwischenfall kommt, wird dieser schwerwiegender ausfallen als von einem kleinen Hund. Außerdem werden bei den Behörden die Alarmglocken schrillen und auch die Presse wird reißerisch über jeden Zwischenfall berichten, auch wenn die Schuld womöglich gar nicht beim „Kampfhund“ liegt. Die meisten Beißvorfälle in Deutschland und Österreich kommen bei Rassehunden übrigens von Schäferhunden. Allen voran der Deutsche Schäferhund, der auch noch eine höhere Beißkraft als der American Pit Bull hat. Angeführt wird die Beißstatistik von Mischlingen. Wahrscheinlich, weil der Mischling der häufigste Hund ist. Es gibt keine seriösen Statistiken, weil einerseits viele Beißvorfälle nicht gemeldet werden und weil die Popolation einer bestimmten Rasse nicht in Relation gebracht wird.

risk rates
Diese Studie zur Risikoabschätzung aus den USA ist meiner Meinung nach aussagekräftig. Es wurden alle tödlichen Hundeattacken der letzten 20 Jahre herangezogen und in Relation zur Menge der Hunde der einzelnen Rassen gesetzt (25 starke Rassen). Die verwendeten Daten kommen von der  American Veterinary Medical Association (AVMA). Die Zahl in der Tabelle gibt die Anzahl der tödlichen Hundevorfälle pro Rasse pro 100.000 Hunde an. 100.000 Malamuts haben 6,79 Menschen getötet. 100.000 bullenartige Terrier haben 0,97 Personen getötet. Somit ist wohl der Malamute der gefährlichste Hund der Welt und durch Bernhardiner sind doppelt so viele Menschen zu Tode gekommen als durch bullenartige Terrier.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Pit Bull ein liebenswerter, intelligenter, mutiger, loyaler Familienhund ist, aber keinesfalls als Anfängerhund geeignet ist, gut sozialisiert und erzogen werden muss und Beschäftigung braucht. Er liebt übrigens auch den körperlichen Kontakt zu seinen Menschen, sitzt gerne am Schoß und ist sehr verschmust.

Allerdings muss der Hund aus einer seriösen Zucht stammen. Vom Kauf von Tieren mit unklarer Vergangenheit ist abzuraten.

In den USA sind Bullenartige Terrier Rassen die am meisten verbreiteten Hunde. ca. 20 % aller Hunde sind Pitbulls.

In vielen Ländern gelten American Pit Bull Terrier (wie auch die anderen Bullenartigen Terrier, ausgenommen die Zwerg-Bullterrier) als Listenhunde und ihre Zucht und Haltung ist an einige Auflagen gebunden oder sogar verboten.

Österreich:

In Österreich haben drei Bundesländer Auflagen für die Haltung von American Pit Bull Terriern:

Niederösterreich (Es besteht ein Sachkundenachweis, die Haltung muss angezeigt werden, Maulkorb- und Leinenzwang an öffentlichen Orten)

Vorarlberg (Die Haltung muss angezeigt werden und ist bewilligungspflichtig. Maulkorb- und Leinzwang.)

Wien (Hundeführerscheinpflicht, Maulkorb- und Leinezwang an öffentlichen Orten außer eingezäunten Auslaufzonen).

Schweiz:

Der Erwerb, die Haltung, Einfuhr und Zucht von American Pit Bull Terrier ist in den folgenden Kantonen ohne die Möglichkeit auf eine Bewilligung verboten:

  • Freiburg (FR)
  • Genf (DE)
  • Wallis (VS)
  • Zürich (ZH)

In den folgenden Schweizer Kantonen ist eine Kantonale Bewilligung notwendig, wobei die Bedingungen für diese Bewilligung von Kanton zu Kanton variieren kann:

  • Aargau (AG)
  • Basel-Landschaft (BL)
  • Basel-Stadt (BS)
  • Glarus (GL)
  • Schaffhausen (SH)
  • Solothurn (SO)
  • Thurgau (TG)
  • Tessin (TI)
  • Waadt (VD)

Deutschland:

In Deutschland stehen American Pit Bull Terrier in 12 Bundesländern auf den Listen der gefährlichen Hunde der Klasse 1:

  • Bayern
  • Berlin
  • Baden-Württemberg
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Hamburg
  • Hessen
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Sachsen-Anhalt

Hier gelten strenge Auflagen für die Haltung von American Pit Bull Terriern, die in den Bundesländern jedoch nicht einheitlich sind.

In den folgenden drei Bundesländern bestehen keine Rasselisten. Das Halten von gefährlichen Hunden ist nicht rassespezifisch geregelt, sondern tritt in Kraft, wenn ein Hund durch Aggression auffällig geworden ist. Dann ist für das Halten dieser Hunde eine Sachkundeprüfung notwendig und der Halter wird auf Zuverlässigkeit und persönliche Eignung kontrolliert. Allerdings besteht nach Bundesrecht ein Einfuhrverbot von Pit Bull Terriern.

  • Niedersachsen
  • Schleswig-Holstein
  • Thüringen
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