Pubertät beim Hund

Pudel markiert

 

Ja, auch der Hund erlebt eine Pubertät und das Verhalten, das er dann an den Tag legt, ist durchaus mit dem von Teenagern zu vergleichen.

Das Leben ist schön mit einem Welpen! Es ist zwar anstrengend, ihm die wichtigsten Dinge beizubringen, aber ein Welpe ist lernwillig, er vertraut dir, orientiert sich an dir, du siehst jeden Tag Fortschritte, die Früchte deiner Bemühungen sozusagen. Er ist der Liebling all deiner Freunde und der anderen Hunde in der Umgebung.

 

Wann beginnt die Adoleszenzphase?

Und dann, wenn der süße Welpe circa sechs Monate alt ist, kommt er in die Pubertät!

Die berühmten Sexual-Hormone Testosteron bei den Männchen und Östrogen bei den Weibchen bilden sich vermehrt und durch das schnelle Wachstum der Nervenzellen kommt es auch zu neuronalen Veränderungen. Der kleine Welpe von gestern ist plötzlich ein verrückter Junghund. Er verändert sich nicht nur äußerlich, sondern auch sein Verhalten. Die meisten großen Rassen brauchen für ihre Entwicklung länger und kommen deshalb auch später in die Pubertät, die kleinen Rassen meist früher. Die Pubertät ist also die Zeit nach dem Welpenalter, wenn die Geschlechtsreife erreicht wird. Der Übergang von der Pubertätsphase in die Adoseshzenzphase ist fließend. In der Adoleszenzphase ist der Hormonspiegel schon stabiler und am Ende dieser Phase hast du einen auch geistig ausgewachsenen Hund. (Juchu!)

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Woran erkennt man, dass der Hund in der Pubertät ist?

Dass man zur Pubertät auch Flegelphase sagt, lässt nichts Gutes erahnen.

Der Hund wird unabhängiger, geht vom Menschen weiter weg, hinterfragt oft Befehle.

Er beginnt, sich gleichgeschlechtlichen Artgenossen gegenüber aggressiv zu verhalten und gleichzeitig Interesse für das andere Geschlecht zu entwickeln.

Der Jagdtrieb erwacht. Bei manchen Rassen mehr, bei anderen Rassen weniger. Plötzlich wird jeder Geruch eines anderen Tieres interessant und alles gejagt, was am Boden keucht und fleucht.

Das Revier wird abgesteckt und verteidigt. Das kann auch plötzlich die Couch sein, die beansprucht wird oder das Bett.

Manche Hunde erleben jetzt auch eine ängstliche Phase und bewerten alte Bindungen neu. War der Welpe zum Beispiel mit jedem Fremden gleich bester Freund, kann der Junghund zurückhaltend bis sehr distanziert auf neue Begegnungen mit Menschen oder sogar alltäglichen Dingen reagieren.

Rüden beginnen mit dem Bein heben und markieren, Hündinnen durchleben ihre erste Läufigkeit.

 

Was heißt neuronale Veränderungen im Gehirn? Was passiert da? Und warum?

In der Natur würde sich der Hund als Erwachsener um alle Belange seines Überlebens selbst kümmern müssen. Von der Futterbeschaffung, Revierfindung und Verteidigung bis zu Fortpflanzung. Es erwacht also der Jagdtrieb, Revierverteidigungstrieb und Sexualtrieb. Diese 3 Dinge sind für den Hund am wichtigsten und sein Gehirn fokussiert genau darauf. In dieser Adoleszenzphase werden pro Sekunde circa 30 Tausend Nervenverbindungen im Gehirn abgebaut, die der Hund nicht mehr benutzt. Nur was wirklich gebraucht wird, wird auch erhalten.

In dieser Phase wird der Hund oft austesten, wie wichtig die Einhaltung von Regeln ist und ob die Nervenverbindung zu einem Befehl gekappt wird oder nicht. Es ist nicht so, dass der Hund ungehorsam sein will, aber Vieles, das er als Welpe gelernt hat, wird er in der Pubertät einfach vergessen, weil sein Gehirn manche Befehle als nicht wichtig einstuft.

In der Pubertät wächst auch der Mandelkern. Der ist im Gehirn das Zentrum für Emotionen wie Angst oder Aggression. Das macht das Gefühlsleben des Hundes zeitweise ein Stück weit unberechenbarer.

 

Was bedeutet das nun für ein harmonisches Zusammenleben?

Die meisten Hunde erleben eine normale Pubertät, die nach ein paar Monaten ihren Schrecken verliert und mit circa zwei Jahren hat sich der Hormonspiegel stabilisiert. Aber erst richtig erwachsen ist ein Hund erst mit drei bis sechs Jahren. Die Pubertät ist wichtig für das Verhalten als erwachsener Hund und obwohl diese Zeit für Hundehalter extrem anstrengend bis frustrierend sein kann, wenn der Hund einfach nicht folgt, ist es aber auch für den Hund eine verwirrende Zeit, wenn es zu Hormonschwankungen kommt und der Hund seinen Platz im Leben finden muss. Der Zahnwechsel fällt auch genau in diese Zeit und die zweite spooky Phase, also eine ängstliche Phase, wobei der Hund bekannte Situationen, Gegenstände oder Menschen, die er als Welpe als „sicher“ eingestuft hat, plötzlich neu bewertet und sich erstmal fürchtet.

Sei also verständnisvoll und geduldig, liebevoll, aber konsequent. Es ist wichtig, dass der Hund in der Pubertät keine schlechten Erfahrungen mit dir als Sozialpartner macht. Sei der erwachsene, routinierte, berechenbare Führer, an dem er sich orientieren kann.

 

Was muss ich bei Erziehung und Training meines Junghundes beachten?

Fokussiere dich beim Training auf wenige wichtige Punkte. Wiederholen und Festigen von ein paar wenigen bereits bekannten Übungen und Kommandos sind angesagt. Versuche gar nicht, deinem pubertierenden Hund Neues beizubringen. Habt stattdessen gemeinsam Spaß und Erfolgserlebnisse. Es ist normal, dass ein pubertierender Hund wenig konzentriert ist und leicht abgelenkt wird. Du musst abschätzen, wann der Hund überhaupt aufnahmefähig für deine Kommandos ist und wann nicht. Wenn du einen pubertierenden Rüden hast und eine läufige Hündin in der Nähe ist, hast du gar keine Chance, die Aufmerksamkeit deines Hundes zu bekommen, also erspare dir ein Trainieren in dieser Situation.

Der Mensch wird für den Junghund uninteressanter, andere Hunde hingegen sehr spannend. Es ist jetzt wichtig, dass du dich viel mit deinem Hund beschäftigst und zwar so, dass es deinem Hund Spaß macht, mit dir zusammen zu sein.

Beim Gassi gehen musst du vielleicht wieder die alte Schleppleine verwenden, weil der Rückruf jetzt gerade gar nicht funktioniert, weil der Hund so sehr mit Schnüffeln beschäftigt ist oder andere Hunde sieht, mit denen er interagieren möchte. Nimm das nicht persönlich. Die Pubertät ist ein Abnabelungsprozess und es formt sich die Persönlichkeit des Hundes.

Sei also verständnisvoll, passe das Training an, aber höre nicht auf mit Trainieren. Lass dem Hund Freiraum beim Entdecken seiner eigenen Persönlichkeit, kommandier ihn nicht ständig herum, wenn du aber von deinem Hund etwas verlangst, dann setze es mit viel Geduld und Konsequenz auch durch.

 

Geschlechtsreife der Hündinnen und Rüden:

Hündinnen werden zwei Mal im Jahr läufig, Rüden hingegen sind ständig mit erhöhtem Testosteronspiegel unterwegs. Rüden messen sich jetzt auch gerne mit anderen gleichaltrigen Rüden und das solltest du nicht fördern oder zulassen. Das Gehirn schüttet beim Raufen vermehrt Dopamin aus, eine Art Selbstbelohnung für den Hund und Hunde können Gefallen am Raufen ins Erwachsenenalter mitnehmen. Wer will einen Hund halten, der gerne rauft? Du hast Einfluss auf die Sozialkontakte deines Vierbeiners. Du kannst allgemein die Hundekontakte verringern und dich in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Wildes Spielen mit anderen Junghunden kann leicht aus dem Ruder laufen. Rüden raufen zu lassen ist zu vermeiden und auch junge Hündinnen sollen nicht von den Rüden bedrängt werden. Am besten ist es, Sozialkontakte mit älteren Hunden zu suchen. Es macht nichts, wenn die jungen Hunde von den älteren in die Schranken gewiesen werden.

Viele Erlebnisse aus der Pubertät prägen einen Hund und bestimmen Arten und Unarten des erwachsenen Hundes, aber auch die rassespezifischen Merkmale werden jetzt im Verhalten ausgeprägt.

Das klingt jetzt nicht nach natürlicher Entwicklung für den Junghund, in seine Sozialkontakte einzugreifen und die Rangordnung auf der Hundewiese nicht herstellen zu lassen – aber der Haushund als Familienmitglied lebt nunmal nicht in der Wildnis, wo er das müsste. Er lebt in der Zivilisation an deiner Seite und kann nicht alle Neigungen ausleben. Das gilt auch bei der Verteidigung des Territoriums. Der Hund darf melden, wenn jemand kommt, aber der Mensch entscheidet, ob jemand ins Haus gelassen wird oder nicht.

 

Sollen Hunde während der Pubertät kastriert/sterilisiert werden?

Ganz klar nein. Erst wenn ein Hund körperlich und geistig erwachsen ist, soll so ein Eingriff vorgenommen werden, wenn es gar nicht anders geht. Es gibt auch Implantate, die den Testosteronspiegel senken, wenn es denn wirklich notwendig ist. Lass dich vom Tierarzt deines Vertrauens beraten.

Hunde brauchen Ruhephasen und müssen sich entspannen können, speziell in der Pubertät fällt das einigen Hunden schwer. Kräuter wie Mönchspfeffer senken den Testosteronspiegel auf natürliche Weise und Baldrian wirkt beruhigend.

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